Blinkende Ampeln

Wenn wir auf unerwartete Situationen treffen kann das uns manchmal ganz schön fordern.

Vorallem im Nachmittagsverkehr mitten in der Stadt.

Gestern war ich mit dem Auto in der Stadt. Ich kam an eine Kreuzung, bei der immer viel los ist, kurz vor dem Bahnhof. Ich musste in die Strasse links abbiegen. Das ist etwa die anspruchvollste Überquerung an dieser Kreuzung, denn von Gegenüber kommen Autos, die geradeaus oder rechts abbiegen und von links und rechts von je zwei Spuren. Nun, normalerweise steh ich hier einfach und warte, bis die Ampel grün wird, dann muss ich nur noch schauen, dass nicht ein Auto von gegenüber meine Spur kreuzt. Also eine grüne Ampel mit blinkendem Orange nebendran hab ich dann jeweils also. Das ist immer eine sehr beliebte Kreuzung für Fahrschüler. 

Auf jeden Fall haben gestern alle Ampeln orange geblinkt. Nichts mit grün oder rot, sondern alle auf orange-blinkend. Ich sah mich dann nach menschlichen Verkehrsleitern um, aber da war niemand. Ok. In der Nacht, sehr spät jeweils wenn es fast keine Autos mehr hat (das ist schon lange her, seit ich das erlebt habe) habe ich das auch schon gesehen. Aber nicht mitten am Nachmittag um drei Uhr. Also. Ich sah, dass vor mir ein Autofahrer die Hände verwarf, weil alle Fussgänger noch hinübergingen und er mitten auf der Kreuzung stand. Er deutete auf seine Ampel – orangeblinkend. Und auch die Fussgänger deuteten auf ihre Ampel – orangeblinkend. Das kann ja heiter werden, wenn ich vorne bin, dachte ich mir. Als die zwei, drei Autos vor mir dann weg waren und ich vor dem Fussgängerstreifen stand, liess ich einige hinüber. Es war schönes Wetter, es hatte sehr viele Passanten, einmal musste ich einfach die Lücke nutzen und fahren. Dann fuhr ich zur Linie. Ein paar von links fuhren nach rechts. Ok. Aufatmen. Dann. Ein Autofahrer von links hielt, um mich durchzulassen. Von rechts noch ein Bus, der folgende Bus hielt zum Glück an der Haltestelle und fuhr nicht weiter. Die von Gegenüber waren auch schon durch. Super, endlich eine Lücke für mich. Mit einem kleinen Schweissausbruch fuhr ich also nach links. Alles gut gegangen. Dank dem, dass alle aufeinander geschaut hatten, langsam fuhren, ich nicht alle Fussgänger hinübergelassen hatte, jemand so nett war, zu halten und ich auch noch etwas Glück hatte, dass Busse etwas träge fahren. Ja, es war herausfordernd. 

Heute frage ich mich, wieso ich mich ziemlich leer fühle. Ich erinnere mich, was ich letzthin gelernt habe. Wenn das Nervensystem auf Hochtouren lief (es war ein stressiger Tag gestern), braucht es einen Moment, bis es wieder im Normalzustand ist. Ist es das? Ist das grad, die Leere, die ich fühle, sozusagen ein Herunterfahren, bis „alles wieder normal“ ist? 

Ich wünschte mir, ich hätte das vorher gewusst. In den Jahren als Grafikerin, wo ich jeden Tag sehr viel Stress erlebte und ich lange nicht erkannte, wie sehr ich mich überging. Heute schaue ich viel mehr auf mich und meine Grenzen. Ich merke, wenn es zuviel wird und sage mir dann: Ok, es ist gerade sehr viel und dein Nervensystem ist überreizt. Aber weisst du was? Am Abend kannst du dich ausruhen. Und je nachdem schaue ich, was möglich ist, anders zu machen, damit die Dinge das nächste Mal anders laufen. Damit mein Nervensystem keinen Grund hat, in den orange-blinkenden Zustand zu gehen. 

Ich bin mir sicher, du kennst solche ähnliche Situationen auch. Was hat dich zuletzt so herausgefordert?

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